Surfen unter den Polarlichtern

Für Tim Latte war die Teilnahme an internationalen Surfwettbewerben immer nur ein Mittel zum Zweck. Während der Wettkämpfe hatte er nie die Zeit, die verschiedenen Orte, an denen er sich aufhielt, zu erkunden und zu genießen. Heutzutage hat er die Jagd nach Trophäen durch seine wahre Leidenschaft ersetzt. Wir wurden Zeugen davon, wie die nordische Ikone die schwarzen Wellen der Lofoten surfte – ein exotisches Sinnbild für modernes Surfen und Outdoor-Leben.

Magisch – so lässt sich wohl der erste Eindruck beschreiben, den die meisten Menschen von den Lofoten-Inseln haben, einem norwegischen Archipel in der Nähe des Polarkreises und des Nordpols. Die wilde Landschaft, bestehend aus majestätischen schneebedeckten Bergen, unberührtem Land und der allgegenwärtigen Ostsee, sieht aus wie aus einem Märchen. Jedes Jahr finden tausende Naturliebhaber*innen, die den Nervenkitzel lieben, aus der ganzen Welt ihren Weg zu diesem gut erhaltenen Außenposten des rauen Naturschauspiels. Einer von ihnen ist Tim Latte, ein bekannter Wellenreiter und Abenteurer aus Leidenschaft.

Das erste Mal war ich 2009 hier. Damals war alles noch sehr unaufgeregt und es gab nur ein Surfcamp. Heute sieht es ganz anders aus, aber meiner Meinung nach ist der Fortschritt durchweg positiv“, erklärt Tim.

Die Veränderungen, auf die er sich bezieht, reichen von bezaubernden Hotels und gemütlichen Bars bis hin zur örtlichen Universität, an der man Terrestrische Ökologie und Umweltmanagement studieren kann.

Ich denke, die Bewohner*innen hier oben haben fantastische Arbeit geleistet, um den Lofoten Bekanntheit zu verschaffen. Die Gemeinschaft ist einfach großartig: Bergsteiger*innen, Landwirt*innen, Student*innen, Abenteurer*innen und Tierliebhaber*innen bilden alle zusammen eine große, lebendige Familie. Es ist eine so unterhaltsame und offene Gruppe, in der man sich sofort wohlfühlt.“

Auf der Suche nach neuen Wegen

Auch wenn sich das Angebot an Unterkünften vor Ort im Laufe der Jahre verbessert hat, ist Tim nicht gerade der Typ für Luxushotels. Wenn er die Lofoten besucht, genießt er den Fünf Sterne-Blick auf sein geliebtes Meer lieber von einem Zelt am Strand aus.

Ich fahre immer hierher. Mein Van ist vollgepackt mit Surfboards, Zelten, Schlafsäcken, Wanderausrüstung und Kleidung für alle Wetterlagen. Als Surfer muss man in der Lage sein, sich an die Umgebung anzupassen und schnell den Ort zu wechseln, wenn man die besten Wellen erwischen will. Ich habe nie das Gefühl, dass es hier überfüllt ist, vielleicht weil ich mir aussuchen kann, wann ich surfen möchte und wann nicht.“

Das war bei Tim Latte nicht immer der Fall. Während seiner Wettkampfkarriere fühlte er sich durch seinen vom Surfen geprägten Alltag eingeschränkt. Sein ganzes Leben bestand darin, von einem Wettbewerb zum nächsten zu reisen und er hatte keine Gelegenheit, die Orte zu sehen oder zu erkunden, an denen er sich aufhielt.

Ich habe die ganzen kulturellen Erlebnisse, die all diese fantastischen Orte zu bieten haben, verpasst. Ich liebe das Surfen, aber ich habe nie gerne an Wettkämpfen teilgenommen und wusste, dass ich etwas ändern musste. Durch Outdoor Events und Kampagnen konnte ich mich darauf konzentrieren, andere zu inspirieren anstatt mein Ego mit Preisen zu umschmeicheln. Das war für mich der richtige Weg.

In Schneestürmen Einhörnern nachjagen

Der Lebensstil von Tim Latte ist der Inbegriff von Freiheit, so weit entfernt von einem Nine-to-Five Dasein, wie es nur möglich ist. Traum und Albtraum liegen aber manchmal auch nah beieinander: Vor allem an einem abgelegenen Ort wie den Lofoten, wo die Natur oft hart und unbarmherzig zuschlägt, erfährt der selbsternannten Wetter-Nerd besonders viel Unterhaltung.

Je weiter man sich vom Äquator entfernt, desto kälter und härter wird es. Auf den Lofoten kann man im Sonnenschein spazieren gehen und zehn Minuten später ist man mitten in einem Schneesturm. Außerdem ist die Natur hier nicht leicht zugänglich, so dass man vielleicht zu Fuß zum Spot gehen muss. Wenn man surft, trägt man einen Neoprenanzug und ist bis auf das Gesicht bedeckt. Wenn man einen Schuh vergisst oder einen Handschuh verliert, ist man im Grunde genommen erledigt. Hier ist alles wild und unberechenbar, nicht wie in Australien oder Hawaii. Surfen auf den Lofoten ist wie die Jagd nach Einhörnern – es gibt keine Garantien, aber es ist sehr aufregend.

Der Natur etwas zurückgeben

Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Bestandteil von Tims Lebensstil und fest in der Surfgemeinschaft verwurzelt. Der Respekt vor der Natur wird dabei nie in Frage gestellt.

Surfer haben eine 'nimm mit, was du mitgebracht hast'-Kultur, was bedeutet, dass man nie etwas am Strand zurücklässt. Wir sind alle hier, um die Natur zu genießen, und wollen sie so belassen, wie sie ist.“

Nachdem er um die ganze Welt gereist ist und eine Vielzahl an Strände gesehen hat, ist sich Tim der größeren Probleme durchaus bewusst.

Ich denke, dass Naturliebhaber*innen im Allgemeinen ein gutes Verständnis für diese Dinge haben und wissen, wie man am besten mit unserem Planeten umgeht. Die kommerzielle Fischereiindustrie ist die eigentliche Bedrohung. Hier auf den Lofoten und überall auf der Welt kann man deutliche Anzeichen für die Zerstörung von Lebensräumen erkennen.

Realistisch bleiben

Tims Leidenschaft für den Umweltschutz spiegelt sich auch in seinen Geschäftsentscheidungen wider. Um seinen Lebensstil aufrechtzuerhalten, ist er auf Sponsor*innen und Mitarbeiter*innen angewiesen. Er bekommt viele Angebote, aber er arbeitet nicht mit allen zusammen.

Je profitorientierter, desto dubioser – meiner Meinung nach. Viele Unternehmen reden über Nachhaltigkeit, um ihre Produkte für ihre Kund*innen nachhaltig aussehen zu lassen, und man spürt, dass das alles Blödsinn ist. Wenn es sich um ein Bekleidungsunternehmen handelt, haben sie vielleicht ein oder zwei nachhaltige Kollektionen im Angebot, aber ihr gesamtes Sortiment ist alles in allem immer noch das genaue Gegenteil. Nachhaltigkeit sollte keine Marketing-Phrase sein, sondern ein industrieller Standard.

Vor einer Zusammenarbeit erkundigt sich Tim immer bei den Leuten in seiner Community und verschafft sich einen Eindruck von der Geschichte und der künftigen Ausrichtung des Unternehmens. Auch die Mitarbeiter*innen und die Unternehmenskultur sind ihm sehr wichtig.

Die Menschen, die beteiligt sind, machen den Unterschied aus, und die Zusammenarbeit mit KnowledgeCotton Apparel war eine Selbstläufer. Sie haben einen echten Bezug zur Natur und haben schon über nachhaltige Lösungen gesprochen, lange bevor dies in Mode war. Außerdem sind sie in ihren Prozessen sehr transparent, und das ist etwas, das sich andere Marken zum Vorbild nehmen sollten. Die Modeindustrie im Allgemeinen ist viel zu langsam, wir sollten uns mit diesen Themen gar nicht mehr befassen müssen.

Die Arktis schätzen lernen

Die faszinierende Umgebung der Lofoten bietet einen seltenen Zufluchtsort, den perfekten Rückzug vom hektischen Stadtleben. Und das Surfen ist nur einer der Gründe, warum Tim und Menschen aus so weit entfernten Orten wie Indonesien immer wieder hierherkommen. 

Die Lofoten sind wirklich cool und besonders. Es reicht aus, einfach nur hier zu sein und schon fühlt man sich der Natur sehr nahe. Wenn man einen Monat oder sogar länger bleibt, wird das zu einer alltäglichen Sache, die sich einfach großartig und wohltuend anfühlt. An diesem Ort kann man wirklich das volle Outdoor-Erlebnis genießen, egal, welche Aktivitäten man mag. Für mich bedeutet das tagsüber surfen und nachts die Polarlichter beobachten. Was könnte ich mir mehr wünschen?“, schließt Tim und zieht sich für einen weiteren Wellenritt an.

Ein Sturm zieht auf und es ist ein weiterer perfekter Tag im nordischen Paradies.